Krebs und Coaching

„Wozu brauche ich denn noch einen Coach, bei all den Therapien und Behandlungen, die ich schon habe?“, werden sich einige fragen. Coaching ist eine großartige Unterstützung in vielen Lebenssituationen. Indem wir intensiv an uns arbeiten erhalten wir Klarheit über unsere Ziele und Lebenswünsche. In diesem Prozess werden wir uns unseres Potenzials bewußt. Wir entwickeln die Strategien, um neue Wege zu beschreiten und eine neue Herausforderung zu meistern oder das, was uns nicht gut tut in unserem Leben zu verändern.

Was ist Coaching?

Einer der Väter des Coachings ist Timothy Gallwey, ein Tennis- und Golftrainer, der den Satz prägte, dass „der Gegner im Kopf“ weitaus gefährlicher sei als der „Gegner am Netz“. Er entwickelte neue Methoden für das Erreichen höherer sportlicher Leistungen, die auch im Beruf, im Gesundheitswesen sowie in der Erziehung angewandt werden.

Coaching hat einen völlig anderen Ansatz und Ziel als die Psychotherapie und kann diese auch nicht ersetzen. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass die Psychotherapie sich intensiv mit den Ursachen befasst, im Coaching hingegen orientieren wir uns zur Zukunft hin, ausgehend von der Gegenwart. Wenn dann Erlebnisse aus der Vergangenheit auftauchen ist das okay. Wir werden sie aber nicht bewusst suchen.

Im Coaching formuliert der Coachee (also derjenige, der sich coachen lässt, der Klient) seine Ziele und wird sich seiner potentiellen Möglichkeiten und Ressourcen bewusst. Er findet seine ureigenen Antworten und Lösungswege. Der Coach begleitet ihn in diesem Prozess, indem er aufmerksam zuhört und beobachtet. Er wendet Fragetechniken an, gibt Feedback, spiegelt sein Gegenüber und hinterfragt begrenzende Glaubenssätze, unter anderem.

Man kann niemanden etwas lehren,
man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.
– Galileo Galilei –

Eine der Grundüberzeugungen des Coaching ist, dass wir die Experten unseres Lebens sind. Der Coachee bestimmt, wie tief er sich auf den Prozess einlassen will und welches Outcome er erreichen möchte – ganz so, wie er es braucht. Daher ist jeder Coachingprozess anders und komplett individuell. Dies ist eine sehr kurze und allgemeine Erklärung des Coaching. Meinen persönlichen Coachingansatz werde ich später, in einem anderen Artikel, darlegen.

Krebs und Veränderung des Lebens

Für Menschen, die Krebs haben oder hatten, kann das Coaching wertvolle Hilfe dabei bieten, herauszufinden, was ihnen wirklich wichtig ist im Leben und dies umzusetzen. Viele Studien zeigen, dass viele Krebspatienten das Gefühl haben, nicht das Leben zu leben, das sie sich wünschen und dass sie die Dinge, die ihnen Freude machen, aufschieben. Manche verharren in Beziehungen, die ihnen nicht gut tun, oder gehen einer Arbeit nach, die sie zu sehr stresst oder die ihnen nicht entspricht, so dass sie ihr Potential nicht ausleben können. Ihr Leben stagniert.

Andere wiederum haben ihre Partner, Kinder oder Eltern an die erste Stelle gesetzt, ohne ihre eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Ihr Leben ist wie ein Hamsterrad, voller Verpflichtungen. Es fehlen Momente, in denen sie einfach das genießen, was ihnen Freude macht: Sei es, dass sie tanzen gehen, sich Zeit für ein gutes Buch nehmen oder einfach mit den Freundinnen ausgehen.

Die Diagnose Krebs zeigt uns sehr deutlich, dass wir nicht für immer leben, ja sogar, dass unser Leben unter Umständen viel kürzer sein kann als wir ursprünglich angenommen haben. Wir verschieben unsere Ideen und Träume wieder und wieder, all diese „das müsste ich einmal machen, irgendwann später“ – bis wir selber nicht mehr glauben, dass wir es noch tun werden, oder bis es vielleicht kein „irgendwann später“ mehr gibt,

Es gibt Menschen, die dieses innere Grummeln verspüren, es aber vorziehen, gar nicht erst darüber nachzudenken. Sobald es wieder geht katapultieren sie sich mit voller Kraft wieder in ihr „normales Leben“ zurück, in das Leben, was sie schon immer geführt haben. Andere wiederum halten inne und stellen fest, dass es noch Dinge gibt, die sie erleben und tun wollen.

Daher ist es gar nicht selten, dass manche tiefgreifende Veränderungen vollziehen: Sie beenden dysfunktionale Beziehungen und trennen sich. Oder sie verändern ihr Rollenverhalten und den Umgang in der Familie, weil sie nicht mehr der Fußabtreter und die Dienstmagd für alle sein wollen.  Andere nehmen eine andere, weniger stressige Arbeit auf. Oder sie richten ihr Leben anders aus, indem sie mehr Zeit mit den Menschen verbringen, die ihnen wahrhaft wichtig sind, oder indem sie endlich die Dinge tun, die ihnen wirklich am Herzen liegen. Hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Manche ändern nur einige Details, andere stellen ihr Leben auf den Kopf.

Coaching als Element der Begleittherapie bei Krebs

In dem oben geschilderten Zusammenhang kann Coaching eine gute und sinnvolle Ergänzung sein. Es bietet den Raum, um neue Horizonte zu entdecken. Für viele ist es eine neue Erfahrung, nie geäußerte Träume in Worte zu fassen und die Gedanken spielen zu lassen, was im Leben noch alles möglich sein könnte. In diesem begleiteten Prozess können sie neue Lebensziele definieren und sich ihrer eigenen Ressourcen und Möglichkeiten bewusst werden. Ein neuer Lebensplan kann entworfen, eine Strategie entwickelt und in die Tat umgesetzt werden. Das gilt sowohl für die großen Veränderungen wie für die kleinen. Das Wunderbare daran ist, dass alle Entscheidungen und tatsächlichen Veränderungen nicht von außen, sondern aus dem Innersten kommen – und daher Kraft und Authentizität haben.

Solch ein Prozess bietet Klarheit und Selbstermächtigung, nicht nur für Krebspatientinnen und -patienten, sondern für jeden, der mehr Zufriedenheit und Lebensqualität sucht, egal ob dieser Wunsch aus einer Krisenerfahrung erwächst oder aus der starken Sehnsucht, die eigenen Träume und Potentiale zu leben.


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